Streichorchester Sankt Vith

Im Jahr 1923 gründete eine Handvoll Freunde unter dem Dirigat von Josef Maus ein kleines Streicherensemble mit regelmäßigen Proben in St.Vith. 1925 übernahm Jos. Hertmanni als offiziell gewählter Präsident die Leitung.

Unter dem Musiklehrer Max Binot aus Malmedy fand eine musikalische Weiterentwicklung statt. Teilweise in Zusammenarbeit mit dem Männergesangverein ‘Sängerbund’ fanden Aufführungen von Auszügen aus Werken wie ‘Das Mädchen von Elizondo’, ‘Operette 66’ oder die ‘Czardas-Fürstin’ statt.​

Vor dem 2.Weltkrieg erweiterte Herr Direktor Cnyrim das Repertoire um selbst arrangierte musikalische Sketche wie ‘Der Puppenladen’.

Nach der vollständigen Zerstörung der Stadt im Herbst und Winter 1944 kam die Konzerttätigkeit zum Erliegen. Erst der Amateurgeiger Baptist Knodt scharte ab 1946 wieder Musiker auf Streichinstrumenten um sich.

Musikalisch nahm das Ensemble erneut einen Aufschwung unter dem Wirken des Musiklehrers Johannes Piette in den 1950er Jahren. So wurde 1953 die Operette ‘Wiener Blut’ aufgeführt. In dieser Zeit verstärkte sich auch das Engagement des Streichorchesters bei der Aufführung sakraler Musik wie der Begleitung mehrstimmiger Messen.

In Konzerten wurde oft eine Mischung aus Werken wie ‘Kleine Nachtmusik’ von Mozart, dem ‘Triumphmarsch’ aus der Oper Aida von Verdi oder Stücken des Operettenkomponisten v. Suppé geboten.

Nach der Ära Johannes Piette verfiel das Orchester in einen langen Winterschlaf, aus dem es erst  durch das Engagement des Geigers Roland Heukemes aus Malmedy in den1970er Jahren erweckt wurde. Er verlegte auch den Schwerpunkt des Repertoires auf Barockmusik und verzichtete auf Bläserstimmen. Die Auftrittsorte waren nun Kirchen und Kapellen und nicht mehr Säle und Vereinslokale.   Heukemes begründete auch die Tradition des jährlichen Adventskonzerts in Zusammenarbeit mit dem ‘Madrigalchor’ St.Vith. In diese Zeit fällt auch die Aufnahme von Frauen als Vereinsmitglieder.

Die größte und bisher längste Blütezeit aber erlebte das Streichorchester ab 1986 unter der Leitung des 1. Geigers Payambé Reyes, Mitglied des OPRL Liège.

Das Repertoire beschränkte sich nicht nur auf Barockmusik von Vivaldi, Corelli oder Bach, sondern erweiterte sich über die Werke der Wiener Klassik hinaus bis zu Stücken von Komponisten wie Richard Strauss, Sir Edward Elgar oder Jean Sibelius.

Bei dem traditionellen Adventskonzert 2023, bei dem auch der 100. Geburtstag des Orchesters gefeiert wurde, legte Payambé Reyes nach 37 Jahren am Dirigentenpult des Taktstock nieder.
Luc Gysbregts, professioneller Bratschist u.a. im bestens bekannten B’Rock Orchestra, leitet seither das Streichorchester mit viel Ausdauer, unerschöpflicher Fantasie und ansteckender Spielfreude.